Täglich fahren Tausende Trailer mit Lebensmitteln, Futtermitteln, Rohstoffen und anderen Waren zwischen Großbritannien und der Europäischen Union.
Seit dem Brexit ist die Grenze zu einem deutlich wichtigeren Bestandteil des Logistikprozesses geworden. Für bestimmte Waren gelten Zertifikate, Voranmeldungen und Kontrollen. Für Transportunternehmen und Verlader stellt sich daneben jedoch eine viel praktischere Frage:
Ist der Trailer nach dem Entladen für die nächste Ladung geeignet?
Diese Frage stellt sich in beide Richtungen. Für einen niederländischen Trailer, der nach Großbritannien fährt, genauso wie für einen britischen Trailer, der nach dem Entladen wieder eine Ladung in der Europäischen Union aufnehmen soll.
Die erforderliche Reinigung wird nicht allein durch die Grenze bestimmt, die der Trailer überquert. Vor allem die vorherige Ladung, die nächste Ladung und die für diese Produkte geltenden Vorschriften bestimmen, welche Reinigung erforderlich ist.
Die Grenze bestimmt nicht automatisch die Reinigungsmethode
Es gibt keine einzelne „Brexit-Reinigungsanforderung“, die für jeden Trailer gilt, der zwischen Großbritannien und der EU verkehrt.
Entscheidend sind vielmehr mehrere Faktoren:
Welche Ladung wurde zuvor transportiert?
Welche Ladung wird als Nächstes transportiert?
Besteht ein Risiko durch Rückstände, Feuchtigkeit oder Kontamination?
Welche produktspezifischen Vorschriften gelten?
Welche zusätzlichen Anforderungen stellt der Kunde oder das Qualitätssystem?
Ein optisch sauberer Trailer ist daher nicht automatisch für jede nächste Ladung geeignet.
Von Großbritannien in die Europäische Union
Bei Transporten aus Großbritannien in die EU gelten für bestimmte Produkte offizielle Einfuhrkontrollen und produktspezifische Anforderungen.
Beim Transport von Lebensmitteln müssen Transportmittel sauber gehalten und so instand gehalten werden, dass Lebensmittel vor Kontamination geschützt werden. Wenn unterschiedliche Produkte nacheinander transportiert werden, kann eine wirksame Reinigung zwischen den Ladungen erforderlich sein.
Auch bei Futtermitteln muss das Risiko einer Kreuzkontamination berücksichtigt werden.
Für den Reinigungsprozess bedeutet dies, dass nicht nur betrachtet werden muss, woher der Trailer kommt, sondern insbesondere, was zuvor transportiert wurde und welche Ladung anschließend aufgenommen werden soll.
Von der Europäischen Union nach Großbritannien
Auch in der anderen Richtung gelten spezifische Einfuhr- und SPS-Kontrollen.
Großbritannien verwendet hierfür ein eigenes System im Rahmen des Border Target Operating Model. Je nach Produkt können Voranmeldungen, Dokumente und Kontrollen erforderlich sein.
Ein konkretes Beispiel sind tierische Nebenprodukte. Die britischen Vorgaben stellen hierbei unter anderem Anforderungen an Fahrzeuge und Behälter sowie – abhängig von der Anwendung – an Reinigung, Desinfektion und Trocknung.
Auch hier gilt deshalb: Der Grenzübertritt allein bestimmt nicht das Reinigungsverfahren. Entscheidend ist die Kombination aus Ladung, Fahrzeug und weiterer Verwendung.
Reinigung, Desinfektion und Trocknung sind unterschiedliche Prozessschritte
Diese Begriffe werden in der Praxis häufig zusammen verwendet, beschreiben jedoch unterschiedliche Schritte.
Reinigung entfernt Schmutz, Produktreste und andere Verunreinigungen.
Desinfektion reduziert Mikroorganismen mithilfe eines geeigneten Verfahrens oder Desinfektionsmittels.
Trocknung entfernt verbleibendes Wasser oder Feuchtigkeit, wenn dies für die nächste Nutzung erforderlich ist.
Nicht jeder Trailer benötigt nach jeder Fahrt alle drei Schritte.
Der richtige Prozess hängt von der vorherigen Ladung, der nächsten Ladung, dem Bestimmungsort und den jeweils geltenden Anforderungen ab.
Gerade Rücktransporte machen das Thema komplex
In der Praxis fahren Trailer selten leer zurück.
Nach dem Entladen wird möglichst schnell eine neue Ladung aufgenommen. Genau dadurch entstehen komplexe Kombinationen.
Ein Trailer kann beispielsweise Lebensmittel nach Großbritannien transportieren und anschließend mit einer völlig anderen Produktkategorie in die EU zurückkehren – oder umgekehrt.
Dann wird die Frage der Reinigung Teil der Logistikplanung.
Nicht nur die Route muss geplant werden, sondern auch:
welche nächste Ladung zulässig ist;
welche Reinigung dazwischen erforderlich ist;
wo diese Reinigung durchgeführt werden kann;
wie lange sie dauert;
und wie sie dokumentiert wird.
Bei großen Flotten kann dies erhebliche Auswirkungen auf Kapazität und Durchlaufzeit haben.
Die Regeln zwischen Großbritannien und der EU werden sich erneut verändern
Großbritannien und die Europäische Union arbeiten an einem neuen SPS-Abkommen für den Handel mit Agrar- und Lebensmittelerzeugnissen.
Die britische Regierung strebt derzeit eine Umsetzung ab Mitte 2027 an.
Ein solches Abkommen könnte für bestimmte Waren zu weniger SPS-Dokumentation und weniger oder keinen physischen SPS-Kontrollen im Handel zwischen der EU und Großbritannien führen.
Die endgültigen Details sind jedoch noch nicht festgelegt.
Wichtig ist außerdem: Ein SPS-Abkommen ist kein Zollabkommen. Zollformalitäten verschwinden dadurch nicht automatisch.
Für Transportunternehmen bedeutet dies, dass sich Grenzprozesse verändern können, während die grundlegende Frage der Ladungseignung und Trailerhygiene bestehen bleibt.
Was bedeutet das für die Trailerreinigung?
Für die Praxis lässt sich das Thema auf vier Fragen reduzieren:
Was befand sich zuvor im Trailer?
Was soll als Nächstes transportiert werden?
Welche Vorschriften gelten für diese Kombination?
Welche Reinigung ist erforderlich, bevor der Trailer erneut eingesetzt werden kann?
Bei wenigen Trailern lassen sich diese Fragen häufig individuell beantworten.
Werden jedoch täglich Dutzende oder Hunderte Trailer verarbeitet, müssen Vorschriften, Reinigungsprogramme, Kapazität, Dokumentation und Logistikplanung zu einem einzigen Prozess zusammengeführt werden.
Von Vorschriften zu einem praktikablen Reinigungsprozess
Amborion betrachtet deshalb nicht nur die Reinigungsanlage.
Wir bringen Fahrzeug, vorherige Ladung, nächste Ladung, geltende Vorschriften und die erforderliche Kapazität zusammen.
Die zentrale Frage lautet:
Ist dieser Trailer nachweislich für die nächste Ladung geeignet?
Erst wenn diese Frage beantwortet ist, lässt sich bestimmen, wie der Reinigungsprozess technisch und logistisch organisiert werden sollte.
Zuerst bestimmen, was erforderlich ist. Erst danach die Technik auswählen.
Bei Amborion drehen wir diese Reihenfolge bewusst nicht um.
Wir beginnen nicht mit einer Waschanlage.
Zunächst betrachten wir den Trailer, die Ladungen, die relevanten Reinigungsanforderungen, das gewünschte Reinigungsergebnis und den täglichen Betriebsablauf.
Auf dieser Grundlage lässt sich bestimmen, wie ein praktikabler Reinigungsprozess aussehen muss und welche Technik und Automatisierung dafür erforderlich sind.
Die Vorschriften bestimmen die Rahmenbedingungen. Der tägliche Betrieb bestimmt, wie die Lösung in der Praxis funktionieren muss.
Wissen Sie, welche Anforderungen für Ihre Trailer gelten?
Mit dem Amborion Cleaning & Compliance Check erfassen wir strukturiert die Kombination aus Fahrzeug, Ladung und Reinigungsanforderungen.
So entsteht zunächst Klarheit über den tatsächlichen Reinigungsbedarf – bevor über Maschinen, Kapazität oder Automatisierung gesprochen wird.
